Fonds sexueller Missbrauch

Seit dem 01. Mai 2013 können von sexuellem Missbrauch Betroffene einen Antrag auf Kostenübernahme für bestimmte Sachleistungen, die zur Linderung von Folgebeeinträchtigungen des sexuellen Missbrauchs geeignet sind, bis zur Höhe von insgesamt 10.000 € stellen.
Betroffene, die in der Familie sexuell missbraucht wurden, können Sachleistungen wie z.B. Therapien beantragen. Leistungen aus dem Fonds sind für Betroffene gegenüber den gesetzlichen Leistungen nachrangig. Das bedeutet, dass er sich nur an die Betroffenen richtet, die Leistungen nicht schon aus den bestehenden Hilfesystemen (z.B. Gesetzliche und Private Krankenversicherung, Gesetzliche und Private Unfallversicherung, Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz) gemäß ihren Bedürfnissen erhalten. Auch zivilrechtliche Ansprüche gegen die verantwortliche Organisation, die Täterin oder den Täter haben Vorrang vor den Leistungen aus dem Fonds Sexueller Missbrauch, sofern sie (noch) gerichtlich durchgesetzt werden können und dies auch zumutbar ist.

Damit allen Betroffenen Hilfsmöglichkeiten eröffnet werden können, entschloss sich der Bund bereits bei der Errichtung des Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich, ein einheitliches Antragsformular für alle Bereiche von Missbrauchsbetroffenheit zur Verfügung zu stellen. Dies betrifft neben Betroffene im familiären Bereich insbesondere auch Betroffene von sexuellem Missbrauch in Institutionen und durch Fremdtäter. Anträge auf Hilfeleistungen aus dem Ergänzenden Hilfesystem müssen somit nicht an unterschiedlichen Stellen eingereicht werden. Die Geschäftsstelle des „Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich“ übernimmt die Entgegennahme sämtlicher Anträge.

Durch die Errichtung des Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich und die bisherigen erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen können derzeit Anträge von Betroffenen bearbeitet werden, die Missbrauch in folgenden Bereichen erlitten haben:

  • Familiärer Bereich
  • Familiärer Bereich und durch Fremdtäter
  • Familiärer Bereich und institutioneller Bereich

Es können nur Sachleistungen bewilligt werden. Solche Sachleistungen können z.B. sein:

  • Psychotherapeutische Hilfen, soweit sie über Leistungen hinausgehen, deren Kosten die Gesetzlichen und Privaten Krankenversicherungen, die Gesetzliche Unfallversicherung oder das Opferentschädigungsgesetz übernehmen.
  • Kosten im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Missbrauchs wie z.B. für Fahrten zum Ort des Missbrauchs oder zu therapeutischen Sitzungen.
  • Unterstützungen bei besonderer Hilfsbedürftigkeit wie z.B. Hilfe bei der Beschaffung von Heil- und Hilfsmitteln, soweit die Kosten hierfür von den sozialrechtlichen Hilfesystemen nicht übernommen werden.
  • Beratungs- und Betreuungskosten, die entstehen wenn Betroffenen Kosten im Rahmen einer individuellen Unterstützung durch eine begleitende Assistenz bei der Kontaktaufnahme mit Ämtern beziehungsweise Bewilligungsstellen entstehen.
  • Unterstützung von Weiterbildungs- und Qualifikationsmaßnahmen, mit denen Betroffene die berufliche und soziale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erweitern oder nachholen möchten.
  • Sonstige Unterstützungen in besonderen Härtefällen.

Aufgabe des Fonds ist es, noch andauernde Belastungen als Folgewirkung des Missbrauchs auszugleichen bzw. zu mildern. Ein Rechtsanspruch besteht nicht.
Die Antragstellung ist noch bis zum 30. April 2016 möglich.

Weitere Informationen: www.fonds-missbrauch.de