K.O.-Tropfen

Informationen zu „K.O.-Tropfen“

Unter dem Begriff „KO-Tropfen“ sind Substanzen zusammengefasst, die anderen Personen unbemerkt verabreicht werden, um sie in einen willen- und hilflosen Zustand zu versetzen und sie dann sexuell zu missbrauchen oder zu berauben. Die betroffenen Mädchen und Frauen aber auch Männer haben zum Verlauf der Tat zumeist nur bruchstückhafte oder gar keine Erinnerungen, was sie als zutiefst verwirrend und beunruhigend empfinden.

Bei den verwendeten Mitteln handelt es sich um unterschiedliche Wirkstoffe oder Mixturen aus narkotisierenden Mitteln. Häufig und in zunehmendem Maße wird aber die Partydroge GHB oder deren Vorläufersubstanz GBL verwendet (auch als Liquid Ecstasy bekannt), die im Körper zu GHB umgewandelt wird und vergleichsweise leicht zu beschaffen ist.

GBL ist in der Regel flüssig, ölig und farblos, von schwach lösungsmittelartigem, aber nicht beißendem Geruch und hat einen salzigen, seifigen Geschmack, der aber mit Getränken vermischt nicht auffällt.

Wirkungsweise

GHB/GBL gehört zu den dämpfenden Mitteln. Es wirkt in geringer Dosierung zunächst entspannend und enthemmend. Bei höherer Dosierung hat es euphorisierende und sexuelle stimulierende Wirkung und führt schließlich in hoher Dosierung zu Schläfrigkeit, Benommenheit, Tiefschlaf und Koma.

Die Wirkung ist von Person zu Person unterschiedlich, sie wird durch den Mischkonsum etwa mit Alkohol unkalkulierbar und kann tödlich sein.

Die Wirkung setzt nach 10 bis 20 Minuten ein und kann bis zu 4 Stunden andauern. Betroffene beschreiben plötzliche, für sie unerklärliche Zustandsveränderungen wie Schwindel, Übelkeit, Willenlosigkeit, Reglosigkeit und Wahrnehmungsstörungen und in Folge Erinnerungsstörungen oder einen schlagartigen Erinnerungsverlust. Bei Konsum von Alkohol zweifeln sie aus Erfahrung daran, dass dieser den „Filmriss“ hervorgerufen haben könnte.

Viele Betroffene beklagen noch Tage nach der Verabreichung über Mattigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen oder Übelkeit.

Nachweisbarkeit

Die Nachweisbarkeit im Blut beträgt ca. 6 Stunden, im Urin ca. 12 Stunden nach der Verabreichung. Deshalb ist es sehr wichtig, sich bei einem Verdacht so schnell wie möglich zur Polizei zu begeben oder einen Arzt/ eine Ärztin zu konsultieren oder sich direkt in den rechtsmedizinischen Instituten untersuchen zu lassen. Diese können eine Blut- und Urinprobe nehmen, die so aufbewahrt werden, dass auch später noch ein Nachweis möglich ist. Eine medizinische Untersuchung sollte auch dann erfolgen, wenn die Verabreichung der KO-Tropfen länger her ist.

Folgen

Neben den genannten körperlichen Folgen leiden Mädchen und Frauen, die unter der Vergiftung mit KO-Tropfen Opfer sexueller Gewalt geworden sind, häufig unter verschiedenen psychischen Problemen. Sie haben Ängste zum Beispiel vor einem erneuten „Filmriss“ – insbesondere wenn ihnen die Ursache nicht bewusst ist, Ängste vor ansteckenden Krankheiten oder einer Schwangerschaft durch die Vergewaltigung oder davor, dass das Geschehen gefilmt wurde. Viele leiden unter quälenden Fragestellungen danach was genau passiert ist und zweifeln an der eigenen Wahrnehmung oder an schlaglichtartigen Erinnerungen zur Tat, falls überhaupt Erinnerungen vorhanden sind. Viele empfinden Scham, etwa weil sie Alkohol getrunken hatten und ihren Filmriss darauf zurückführen, obwohl der Alkoholkonsum hierfür zu gering war. Oder sie schämen sich, weil sie denken, nicht sorgfältig genug auf sich aufgepasst zu haben. Manche beschuldigen sich selbst für das Geschehen, insbesondere dann, wenn etwa Bekannte berichten, sie seien „freiwillig“ mit jemandem mitgegangen.

Zweifel, Scham- und Schuldgefühle sowie die fehlenden oder lückenhaften Erinnerungen an das Tatgeschehen hindern betroffene Mädchen und Frauen daran, bei der Polizei Anzeige zu erstatten oder sich an andere Dritte zu wenden. Sie befürchten, es würde ihnen nicht geglaubt oder sie würden für die Tat selbst verantwortlich gemacht.

Hilfsangebote

Ein professionelles Hilfsangebot bieten die Frauennotrufe in Schleswig-Holstein. Hier können Sie Informationen zu K.O.-Tropfen erhalten sowie anonyme telefonische oder persönliche Beratung, Begleitung im Kontakt mit Strafverfolgungsbehörden und die Vermittlung weiterführender Hilfen.

Das Angebot der Frauennotrufe ist kostenlos und die Mitarbeiterinnen unterliegen einer Schweigepflicht.

Strafanzeige

Das Begehen von Sexualdelikten mithilfe von K.O.-Tropfen ist eine Straftat, schon allein die Verabreichung der Substanzen ist strafbar.

Anzeige kann auch dann erstattet werden, wenn der/die Täter unbekannt sind oder wenn kein Nachweis der Substanzen in Blut oder Urin erfolgt ist – möglicherweise gibt es andere Beweismittel wie ZeugInnenaussagen, Rückstände an Flaschen oder Gläsern.

Prävention

Folgende Tipps können helfen, dass sich Mädchen und Frauen besser gegen die Substanzen schützen können:

  • Getränke nie unbeobachtet lassen, im Zweifel lieber ein neues Getränk bestellen
  • keine offenen Getränke von Unbekannten annehmen
  • bei Unwohlsein oder Übelkeit Freunde oder Personal (z.B. in Kneipen oder Diskotheken) ansprechen
  • sich um Freundinnen und Freunde kümmern, die zu viel getrunken haben, oder so wirken
  • nicht zögern, die Disco oder eine Feier zu verlassen bei einem Gefühl von Unsicherheit
  • „Zusammen kommen, zusammen gehen“ und aufeinander achten ist die sicherste Prävention für solche Übergriffe
  • Täter können sowohl Fremde als auch Freunde sein.
  • im Zweifel die Polizei anrufen
  • Sofort einen Arzt oder die Notfallambulanz aufsuchen, wenn der Verdacht auf Verabreichung von K.O.-Tropfen besteht, um mögliche Beweismittel zu sichern und eine Urinuntersuchung vornehmen zu lassen.
  • Die Frauennotrufe beraten kostenlos, anonym und vertraulich. Die Beraterinnen bieten auch Begleitung zur Ärztin, Rechtsmedizin oder Polizei an.

Weitere Informationen und Hilfsangebote

Einige Einrichtungen führen Kampagnen zum Thema K.o.-Tropfen durch. Unter den folgenden Links gibt es weitere Informationen zum Thema: