Stalking

"Stalking“ (engl. anschleichen, anpirschen) bezeichnet das fortgesetzte Verfolgen und Belästigen einer anderen Person. Prinzipiell können alle Menschen Opfer von Stalking werden, Frauen sind jedoch deutlich häufiger betroffen.

Die Mehrzahl der Opfer kennt den Täter. Häufig sind es Ex-Partner, die eine Trennung nicht akzeptieren oder andere Bekannte, die eine intime Beziehung zu dem Opfer herstellen wollen. Vorübergehender Zorn oder Liebeskummer mit Versuchen, Kontakt herzustellen sind aber noch kein Stalking. Erst wenn die Handlungen andauern und die Häufigkeit, Intensität und Bedrohlichkeit der Handlungen zunehmen, wird von Stalking gesprochen.

Die Verfolgung kann Monate oder Jahre andauern und führt bei den Betroffenen häufig zu massiven Ängsten und anderen psychischen Folgebeschwerden, wie Schlafstörungen und Depressionen mit sozialem Rückzug und Isolation. Einige Stalking-Opfer gehen nicht mehr aus dem Haus, wechseln ihren Wohnort oder Arbeitsplatz aus Angst vor weiteren Angriffen des Täters.

Beispiele für Stalking

  • wiederholte Telefonanrufe zu jeder Tages- und Nachtzeit, privat und während der Arbeit; die Anrufe werden im Laufe der Zeit drohender, diskriminierender, beleidigender (Telefonterror)
  • zahlreiche Nachrichten auf dem Anrufbeantworter
  • häufige Präsenz des Verfolgers vor der Wohnung, der Arbeitsstelle, im Supermarkt ...
  • massenhaftes Zusenden von Briefen, eMails und SMS
  • Verfolgen bei täglichen Wegen zur Arbeit, zum Sport, zu Bekannten ...
  • unerwünschte "Geschenke"
  • Waren- und Annoncenbestellungen auf den Namen der Betroffenen
  • Ausspionieren des Tagesablaufes des Opfers, des sozialen Umfelds und persönlicher Daten
  • Diffamierung und Bloßstellung des Opfers im sozialen Umfeld
  • Sachbeschädigungen, z.B. an der Tür, am Auto oder im Garten
  • Einbruch
  • Körperverletzung
  • sexuelle Übergriffe

Rechtlicher Schutz bei Stalking

Stalking-Opfern ist in aller Regel zu raten, sich so frühzeitig wie möglich konsequent gegen den Stalker zur Wehr zu setzen. Es kann sowohl zivilrechtlich als auch strafrechtlich vorgegangen werden. In jedem Fall ist es sinnvoll, sich von einer Rechtsanwältin/ einem Rechtsanwalt oder einer Fachberatungsstelle beraten und unterstützen zu lassen.

Strafrecht

Stalking ist seit April 2007 ein eigener Straftatbestand in Deutschland. Einem Täter drohen nach §238 StGB, dem Gesetz zur Strafbarkeit "beharrlicher Nachstellung" bis zu 3 Jahren Haft, wenn er einem Menschen nachstellt und dadurch dessen Lebensführung schwerwiegend beeieinträchtigt. Diese neue Strafvorschrift greift allerdings nur bei besonders schweren Fällen von Stalking. Bestimmte Verhaltensweisen können jedoch auch andere Straftatbestände erfüllen, wie Äußerungsdelikte (Beleidigung, üble Nachrede), Nötigung, Bedrohung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, sexuelle Nötigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch oder einen Verstoß gegen gerichtliche Anordnungen (siehe Zivilrecht).
Liegt eine Straftat vor, kann die Betroffene bei der Polizei, Staatsanwaltschaft oder dem zuständigen Amtsgericht Strafanzeige unter Vorlage möglichst aller gesammelter Beweismittel erstatten.

Zivilrecht

Ebenfalls ist der Gang zu einem Zivilgericht möglich. Hier kann gegen den Täter eine einstweilige Verfügung oder eine Unterlassungsklage erwirkt werden.
Nach dem sogenannten Gewaltschutzgesetz (GewSchG) können Schutzanordnungen erlassen werden, die dem Täter weiteres Belästigen verbieten. So kann dem Täter beispielsweise gerichtlich untersagt werden, mit dem Opfer Kontakt aufzunehmen und sich der Wohnung oder anderen vom Opfer häufig besuchten Orten zu nähern.

Bei Verstoß des Stalkers gegen eine derartige Anordnung kann auch strafrechtlich gegen ihn vorgegangen werden.

Was kann ein Stalking-Opfer tun?

Es gibt keine allgemein gültige oder richtige Vorgehensweise. Dennoch gibt es Ratschläge, die für die Opfer hilfreich sein können.

  • Dem Täter sollte einmal und unmissverständlich mitgeteilt werden, dass keinerlei Kontakt zu ihm gewünscht wird. Dies kann schriftlich und ggf. per Einschreiben erfolgen und sollte dann auch die letzte Reaktion des Opfers sein. Jede weitere Reaktion wirkt als "Belohnung“ für seine Kontaktversuche.
  • Das Informieren von Familie, Freunden, Nachbarn und Kollegen schützt und verhindert, dass der Stalker von ihnen Informationen über das Opfer erhalten kann.
  • Es sollte ein "Stalking-Tagebuch“ angelegt werden, in dem alle Stalking-Handlungen wie eMails, SMS, Anrufe, Näherungsversuche, Übergriffe usw. mit der Angabe von Datum, Ort, Uhrzeit aufgezeichnet werden.
  • Auch andere Beweise sollten gesichert werden, wie z.B. Briefe und Texte auf dem Anrufbeantworter. Dies kann bei möglichen juristischen Schritten sehr hilfreich sein.
  • Bei Telefonterror kann auf eigene Kosten eine Identifizierungsschaltung bei der Deutschen Telecom beantragt werden oder eine neue Telefonnummer eingerichtet werden, die der Täter nicht kennt und die nur sehr sorgsam weitergegeben wird.
  • Bei der Polizei kann Anzeige erstattet werden, auch gegen "unbekannt", wenn der Täter fremd ist. Es sollte nötigenfalls darauf bestanden werden, dass die Anzeige aufgenommen wird.
  • Es kann zivilrechtlich und ggf. strafrechtlich gegen den Täter vorgegangen werden. Dies sollte mit Hilfe einer kompetenten Anwältin erfolgen.
  • Frauenberatungsstellen und –notrufe können Unterstützung leisten sowie über weitergehende Maßnahmen ínformieren. Die Beratung ist kostenlos und kann auch anonym erfolgen.