Zwangsverheiratung

Unter Zwangsverheiratung verstehen wir eine Eheschließung, die gegen den Willen eines oder beider Heiratenden stattfindet. Zwangsverheiratungen sind aufs Engste mit patriarchalischen Familienstrukturen und traditionellen Vorstellungen von Geschlechterehre verbunden.
In Artikel 16 Absatz 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, die für alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen gilt heißt es „Eine Ehe darf nur im freien und vollen Einverständnis der künftigen Ehegatten geschlossen werden“. Zwangsverheiratung gilt daher als Verletzung der Menschenrechte, die sowohl Frauen als auch Männer treffen kann, wobei allerdings ganz überwiegend Frauen betroffen sind. Meist sind auch die Auswirkungen im Hinblick auf weitere Menschenrechtsverletzungen für Frauen nach allgemeiner Einschätzung zumeist gravierender. Eine erzwungene Verheiratung bedeutet den Verlust von freiheitlicher und sexueller Selbstbestimmung mit weit reichenden Konsequenzen für das Selbstwertgefühl der Betroffenen und ihre Lebens- und Entfaltungschancen.

Die Erfahrungen in der Arbeit mit Betroffenen zeigen, dass mit dem Thema Zwangsverheiratung fast immer auch andere Formen von Gewalt, d.h. psychische, physische und / oder sexualisierter Gewalt einhergehen. Zwangsverheiratung ist damit ein Bestandteil häuslicher Gewalt.

Mädchen und Frauen, die von Zwangsverheiratung und / oder Gewalt im Namen der „Ehre“ bedroht oder betroffen sind, benötigen eine besondere fachliche und sichere Beratung, Begleitung und Unterstützung. Das vorrangige Bedürfnis von Betroffenen ist häufig, die Spirale familiärer Gewalt zu durchbrechen. Dafür sind die Zugänglichkeit von Beratung und Unterstützung und die Möglichkeit, ad hoc Schutz in einer Zufluchtseinrichtung zu suchen, unabdingbare Voraussetzungen. Das Schutz- und Anonymitätsbedürfnis der zumeist sehr jungen Betroffenen sowie der Bedarf an umfassenden Informationen über Auswege und Möglichkeiten sind hoch.

Auch FreundIinnen, Lehrkräfte, MitarbeiterInnen von Behörden und Jugendämtern oder anderen Beratungsstellen können bei Fragen und Problemen in den entsprechenden Fachberatungsstellen Information, Austausch und Unterstützung finden.

Darüber hinaus werden zum Thema Zwangsverheiratung / Gewalt im Namen der „Ehre“ Fortbildung und Teaminformationsgespräche sowie Sensibilisierungs- und Vernetzungsarbeit angeboten.

Die Beratung kann persönlich, telefonisch oder per Email erfolgen.

Ausführliche Informationen "Zwangsverheiratung in Deutschland" (PDF Download) finden Sie hier: www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Zwangsverheiratung-_20Forschungsreihe-Band_201